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Flyer Städtebund Elbe-Elsteraue

 

 

 
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Militärgeschichtlicher Beitrag zur Region Elbe-Elsteraue

Das Gebiet des heutigen Städtebundes Elbe-Elsteraue kann mit einer reichhaltigen Auswahl an militärgeschichtlich interessanten Geschehnisse aufwarten. Besonders seit dem 18. Jahrhundert waren sowohl die sächsische als auch die preußische Armee, später dann Reichswehr und Wehrmacht sowie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Truppen der Roten Armee für Teile der Region prägende Faktoren. In den nachstehenden Ausführungen soll daher für den militärhistorisch Interessierten ein Überblick über die wichtigsten ehemaligen Militärstandorte und Ereignisse auf dem Gebiet des Städtebundes gegeben werden.

 

Annaburg

Im Jahre 1762 wurde das Jagdschloss Annaburg, welches 1575 durch Kurfürst August I. von Sachsen und seine Frau Prinzessin Anna von Dänemark und Norwegen fertiggestellt wurde, durch ein so genanntes „Knabenbataillon“ bezogen. Diese Einrichtung war aus dem 1738 von Kurfürst Friedrich August II. in Dresden gegründeten Militärwaisenhaus hervorgegangen, welches für Knaben von im Krieg gefallenen Soldaten gedacht war. Aus Kostengründen wurde das Waisenhaus schließlich am 15. August 1762 nach Annaburg verlegt.

 

Bis 1813 wuchs die Zahl der Jungen auf etwa 500 an. Gegliedert war das Knabenbataillon in vier Musketier- und eine Grenadierkompanie, dem ein Knabenmajor und etwa 20 Knabenoffiziere vorstanden, welche die militärische Ausbildung der Kinder und Jugendlichen nach den damals gültigen Vorschriften durchführten.

 

Der Schulunterricht bestand aus den Fächern Religion, Lesen und Schreiben sowie Rechnen und wurde überwiegend durch ehemalige Unteroffiziere erteilt. Darüber hinaus gab es Musikunterricht und eine Knabenkapelle, aus der sich auch Militärmusiker für die reguläre Armee rekrutierten. 1780 wurde auf dem Gelände der Anstalt ein Lazarettgebäude errichtet, welches die einzige bauliche Erweiterung aus sächsischer Zeit darstellt.

 

Im Zuge der Beschlüsse des Wiener Kongresses im Jahre 1815 wurde die Region um Annaburg an Preußen abgetreten. Da es in Preußen bereits ein Militärwaisenhaus in Potsdam gab, beschloss König Friedrich Wilhelm III., die Einrichtung in Annaburg in eine Unteroffiziervorschule umzugestalten. Das Aufnahmealter wurde von sechs auf zehn heraufgesetzt und die Schüler nach Altersstufen in vier Kompanien gegliedert, wovon jede Kompanie von einem Offizier und vier Unteroffizieren geführt wurde.

 

Durch die zunehmende Einstellung von zivilen Lehrern konnte die Qualität der Schulausbildung deutlich verbessert werden. 1820 wurden deshalb sieben Schulklassen eingerichtet, wobei es 1868 eine weitere Reform gab: ein neuer Schulplan brachte die Einführung von vier Schulklassen und einer Selekta. Die Bandbreite an Unterrichtsfächern wurde stark erweitert und umfasste nun unter anderem auch Geographie, Geschichte, Naturlehre und Zeichnen. 1907 kam Französisch als Fremdsprache in den Lehrplan.

 

An die Schulzeit schloss sich in der Regel nach der Konfirmation im Alter von 14 Jahren für die für den Militärdienst tauglichen Knaben - die untauglichen wurden entlassen - eine Lehre entweder in einem Handwerksberuf oder als Musiker an. Die Militärschüler blieben bis zum 17. Lebensjahr in Annaburg, um dann nach Potsdam in das Lehr-Infanteriebataillon versetzt zu werden.

 

1844 wurde die Ausbildung in den Handwerksberufen jedoch eingestellt, da sie sich nicht bewährt hatte. In der Folgezeit wurde es den Schülern freigestellt, als Militärschüler übernommen zu werden und anschließend in das Lehrbataillon einzutreten. Am 1. Oktober 1880 wurde die Militärschule in Annaburg schließlich in die „Preußische Unteroffiziervorschule Annaburg“ umgestaltet und zog 1881 in die neu erbaute Kaserne um.

 

In die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts fallen auch umfangreiche Bauvorhaben, um die Anstalt auch räumlich den steigenden Anforderungen anzupassen. 1872 wurde eine Turnhalle errichtet, 1876 eine Kommandantur neben dem Schloss und 1879 ein neuer Speisesaal. Darüber hinaus wurde 1903 auf dem Gelände des ehemaligen Gestüts eine Musikschule und 1907 nicht weit davon ein neues Lazarett gebaut.

 

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Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Unteroffiziervorschule gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages entmilitarisiert werden. Beispielsweise wurden die schwarz-weißen Fahnemasten überstrichen, die Schulterklappen der Uniformen sowie die Kokarden an den Mützen wurden entfernt und die Trompeten- und Trommelsignale wurden abgeschafft.

 

Schließlich wurden im März 1921 sowohl die Unteroffiziervorschule als auch die Erziehungsanstalt aufgelöst und die Kaserne und das Schloss zunächst als Wohnraum sowie zur Unterbringung einer Hundertschaft der Schutzpolizei genutzt.

 

Von Juni 1940 bis März 1941 bestand in der Kaserne wieder eine Unteroffiziervorschule der Wehrmacht, die allerdings einem Kriegsgefangenenlager weichen musste. Beispielsweise waren hier bis Kriegsende etwa 8.000 indische Kriegsgefangene sowie der jugoslawische Generalstab interniert.

 

Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Annaburg im April 1945 wurde das Kriegsgefangenenlager aufgelöst und die Kaserne zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien genutzt. Anschließend übernahmen die sowjetischen Streitkräfte die Kaserne. Nach deren Abzug stand die Kaserne bis 2007 leer und beheimatet seitdem ein Altenpflegeheim des Roten Kreuzes.

 

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Kasernengebäude in Annaburg heute

(Informationen zur Verfügung gestellt durch Herrn Thomas Finke, Annaburg)

 

Garnisonsstadt Jüterbog

Gemäß den Bestimmungen des Wiener Kongresses von 1815 musste der Nordteil des Königreiches Sachsen, und somit auch Jüterbog, an Preußen abgetreten werden. Die Stadt Jüterbog wurde nun der preußischen Provinz Brandenburg angegliedert und verlor somit ihre wirtschaftlich günstige Lage im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Preußen.

 

Daher wurde der Ruf in der Bevölkerung und der Stadtobrigkeit laut, dass Jüterbog eine Garnison bekommen solle, da man sich durch das Militär einen Aufschwung der örtlichen Wirtschaft erhoffte. Doch erst 1832 kam die „1. reitende Companie der 3. Artillerie-Brigade“ nach Jüterbog, um hier bis 1850 zu bleiben und dann nach Perleberg verlegt zu werden.

 

Von August 1854 bis April 1856 befanden sich zwei Batterien Fußartillerie in Jüterbog. Erst am 20. August 1860 zogen mit einer Artillerieabteilung wieder Truppen in Jüterbog ein. Seit dieser Zeit befanden sich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges beinahe durchgängig Truppen deutscher Streitkräfte in und um Jüterbog.

 

Im Jahre 1890 kam der Truppenteil nach Jüterbog, der die Garnison bis weit nach den Ersten Weltkrieg prägen sollte: die preußische Artillerie-Schießschule, deren Soldaten zunächst bei den Bürgern der Stadt einquartiert wurden, da die für diese Truppe vorgesehene Kaserne noch nicht fertig war. Mit dem Bau der Kaserne nördlich des Bahnhofes entstand so ein neuer Stadtteil, der bald nach seinem eigenen Postamt mit der Nummer 2 als „Jüterbog 2“ bekannt wurde.

 

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Ehemalige Wache der Artillerieschule heute

 

Die Artillerie-Schießschule gliederte sich in zwei Teile: die Feldartillerie-Schießschule sowie die Fußartillerie-Schießschule. Nur ein Teil der Letzteren war auch in Jüterbog 2 untergebracht. Der andere Teil befand sich bis zum Neubau der Fuchsbergkasernen zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Neues Lager, das im Zuge der Errichtung eines zweiten Schießplatzes für die Artillerie der Schule um das Jahr 1890 gebaut wurde.

 

Die Bezeichnung „Neues Lager“ entstand in Abgrenzung zu dem bereits bestehenden Truppenlager („Altes Lager“) aus dem Jahr 1870 beim alten Schieß- und Übungsplatz, der seit 1864 voll genutzt wurde. Daneben gab es seit Anfang der 1930er Jahre noch ein Drittes Lager („Lager III“ oder „Waldlager/Forst Zinna“ genannt), welches von (Artillerie-)Beobachtungsabteilungen genutzt wurde. Im Jahre 1919 wurden dann beide Teile der Artillerieschule zusammengelegt und die Fuchsbergkasernen zunächst als Wohnungen verwendet.

 

 

Im Laufe der 1920er Jahre kamen die Gebäude dieser Kaserne aber wieder schrittweise in militärische Nutzung. In beiden Kasernenkomplexen, Jüterbog 2 und den Fuchsbergkasernen, zogen nach dem Zweiten Weltkrieg sowjetische Truppen ein. Nach deren Abzug nach der Deutschen Wiedervereinigung wurden Teile der Kasernen von privaten Investoren aufgekauft und zu Wohnhäusern umgebaut.

 

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Relief an der Decke im Eingangsbereich eines Kasernengebäudes

 

Bei Jüterbog existierten im Laufe des letzten Jahrhunderts auch zwei Militärflugplätze. Der erste war der Flugplatz Niedergörsdorf, der auch als „Waldlager“ beziehungsweise „Flugplatz Altes Lager“ bezeichnet wurde. Bereits im Ersten Weltkrieg wurde hier ein Luftschiffhafen errichtet, der bis Kriegsende zwei Luftschiffhallen sowie eine chemische Anlage zur Herstellung des benötigten Wasserstoffs, diverse Werkstätten und Truppenunterkünfte umfasste.

 

Der Luftschiffhafen wurde nach dem Ersten Weltkrieg im Zuge der Entmilitarisierung Deutschlands demontiert. Erst 1933 wurde mit der Einrichtung eines neuen Fliegerhorstes für die zu bildende Luftwaffe der Wehrmacht begonnen. Neben den üblichen Unterkunfts- und Wirtschaftsgebäuden befanden sich auf dem Gelände des Flugplatzes bis 1945 insgesamt zwölf Hallen, die für die Wartung und Reparatur der Flugzeuge, als Materiallager oder als Ausbildungsstätten für die hier ansässige Fliegertechnische Schule genutzt wurden.

 

Eine Besonderheit bildet der an die Halle 10 angebaute Kontrollturm der Flugleitung. Unter anderem waren auf dem Fliegerhorst in der zweiten Kriegshälfte auch deutsche Nachtjäger stationiert. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Flugplatz von der Roten Armee weitergenutzt und ab 1951 erweitert, beispielsweise wurde eine zunächst 2.000 Meter lange Betonbahn gebaut, die später auf 2.600 Meter verlängert wurde. 1992 zogen die russischen Truppen ab und das Gelände wurde an deutsche Behörden übergeben.

 

Im Ersten Weltkrieg wurde in Jüterbog-Damm ein zweiter Flugplatz für die Militärfliegerei geschaffen. Nach Ende des Krieges musste auch hier alles entmilitarisiert und demontiert werden. Die verbliebenen Hallen wurden von den Ortsansässigen als Lagerräume genutzt. Nach 1933 begann man auch hier mit der Neuanlage und Vergrößerung des Flugplatzes.

 

Belegt war der Fliegerhorst bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges von unterschiedlichsten Verbänden, beispielsweise vom Jagdgeschwader 132 „Richthofen“, Teilen von Kampfgeschwadern, einer Flugzeugführerschule sowie der Aufklärerfliegerschule. Nach Kriegsende wurde auch der Flugplatz Jüterbog-Damm bis Ende der 1950er Jahre von den sowjetischen Luftstreitkräften weitergenutzt, bis hier Einheiten der Flugabwehr einzogen, die bis zum Abzug 1994 an diesem Platz blieben.

 

(Literaturnachweis: Schulze, Henrik: Geschichte der Garnison Jüterbog 1864 – 1994 „Jammerbock“, Osnabrück 2000)

 

Schlacht bei Dennewitz am 6. September 1813

Am 6. September 1813 fand im Rahmen der Befreiungskriege gegen Napoleon bei Dennewitz, südwestlich von Jüterbog, eine Schlacht zwischen preußischen Verbänden auf Seiten der Alliierten und französischen, sächsischen und Rheinbündischen Truppen auf Seiten Napoleons statt.

 

Dieses Treffen resultierte aus dem zweiten Vorstoß der französischen Truppen gegen Berlin, nachdem der erste Versuch am 23. August 1813 bei Großbeeren südlich von Berlin gescheitert war und sich der französische Befehlshaber Marschall Oudinot mit seinen Truppen zum Rückzug auf Wittenberg veranlasst sah. Oudinot wurde daraufhin von Napoleon durch Marschall Ney ersetzt, der den Befehl erhielt, mit der Berlinarmee über Luckau, wo sich ein weiteres Korps dem Marsch anschließen sollte, auf Berlin vorzustoßen.

 

Am 5. September brach Marschall Ney mit drei Armeekorps und einem Kavalleriekorps, zusammen etwa 60.000 Mann, von Wittenberg auf. Bereits kurz hinter Wittenberg bei dem Städtchen Zahna kam es zu einem ersten Gefecht mit einer preußischen Vorhut des IV. Armeekorps unter Generalleutnant von Tauentzien, die jedoch auf Grund der zahlenmäßigen Unterlegenheit bis zum Nachmittag bis hinter Seyda zurückgedrängt wurde. Die Verluste betrugen auf französischer Seite etwa 500 Mann, die auf preußischer Seite circa 3.000 Soldaten.

 

Marschall Ney ließ seine Armee in dieser Nacht bei Seyda lagern, ohne jedoch eine genaue Kenntnis von der Position und Stärke der gegnerischen Kräfte zu haben. Den französischen und rheinbündischen Truppen standen zwei Korps gegenüber: Das bereits erwähnte IV. Armeekorps unter Generalleutnant von Tauentzien und das III. Armeekorps unter General von Bülow, insgesamt etwa 41.000 Mann.

 

Der preußische Plan war es, die Armee Ney’s bei ihrem weiteren Vormarsch in nordöstliche Richtung in der Flanke anzugreifen. Das Ziel der Franzosen war es wiederum, in zwei Marschkolonnen südlich an Jüterbog vorbei in Richtung Dahme und Luckau zu marschieren.

 

Am Morgen des 6. September setzten sich die zwei Marschkolonnen der Franzosen und Sachsen in Bewegung. Gegen 10.00 Uhr fiel nördlich von Dennewitz der erste Schuss der Schlacht. In wechselvollen Kämpfen gelang es den Preußen schließlich, die französischen und sächsischen Truppen aus Dennewitz und dem südlich gelegenen Gölsdorf zu vertreiben und zum Rückzug zu zwingen. Die Verluste waren dabei auf beiden Seiten hoch: Preußen verlor etwa 10.500 Mann, Frankreich und seine Verbündeten etwa 23.000 Mann.

 

Zusammen mit den vorangegangenen Niederlagen der napoleonischen Truppen an der Katzbach am 26. August 1813 und bei Kulm am 29./30. August 1813 führte die Niederlage bei Dennewitz dazu, dass Napoleon zunächst im Raum Dresden abwartete.

 

Am 3. Oktober 1813 erzwang schließlich ein preußisches Korps unter General Yorck den Elbübergang bei Wartenburg. Diese Situation veranlasste Napoleon zu einem allgemeinen Rückzug nach Westen, der schließlich zur Völkerschlacht bei Leipzig führte (16. bis 19. Oktober 1813), bei der er die entscheidende Niederlage in Deutschland erlitt und zum Rückzug hinter den Rhein gezwungen wurde.

 

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Denkmal bei Niedergörsdorf für die Schlacht von Dennewitz

 

(Literaturnachweis: Bauer, Frank: Dennewitz 6. September 1813. Das Ende von Napoleons Berlinplänen. Kleine Reihe zur Geschichte der Befreiungskriege 1813 – 1815, Heft 2, Potsdam 2003; ergänzt durch www.wikipedia.de)

 

Festung Torgau

Nachdem Sachsen an der Seite Preußens am 14. Oktober 1806 die Niederlage von Jena und Auerstedt gegen die Armee Napoleons erlitten hatte, wurde das Land durch französisch geführte Truppen besetzt. Am 11. Dezember 1806 wurde in Posen zwischen Frankreich und Sachsen ein Frieden geschlossen, der Sachsen vom Kurfürstentum in ein formal eigenständiges Königreich verwandelte.

 

Der Kurfürst Friedrich August III. wurde nun zum König Friedrich August I erhoben. Allerdings musste Sachsen in den Rheinbund eintreten und somit ein Bündnis mit Napoleon eingehen und war zu militärischen Hilfsleistungen gezwungen. Hierzu zählte beispielsweise die Forderung Napoleons, zur Absicherung des Gebietes an der Elbe eine Festung zu errichten.

 

Der sächsische König ließ daraufhin 1809 die Standorte Wittenberg und Torgau auf die Eignung zum Festungsbau überprüfen, wobei jedoch zunächst beide Städte als ungeeignet eingestuft wurden.

 

Napoleon forcierte seine Forderungen nach einer Festung an der Elbe im Frühjahr 1810, so dass der neu geschaffene sächsische Generalstab ein weiteres Gutachten über Wittenberg und Torgau erstellte, wobei Torgau nun als für den Festungsbau geeignet befunden wurde.

 

Oberst Friedrich Carl Gustav von Langenau, der das Gutachten erstellt hatte, gab Empfehlungen über die Ausführung der Festung, die allerdings Ende 1810 von Napoleon persönlich geändert wurden. Am 29. November 1810 teilte der König der Stadt Torgau das Vorhaben in einem Brief mit und bereits am 6. Dezember 1810 traf ein Vorauskommando in Torgau ein, um erste logistische Vorbereitungen durchzuführen.

 

Verantwortlich für den Bau war der Oberst des sächsischen Ingenieurcorps Johann August Lecoq. Finanziert werden sollte der Festungsbau, dessen Kosten auf 5 Millionen Taler veranschlagt wurden, durch die sächsischen Landkreise über sieben Jahre verteilt.

 

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Karte der Festung Torgau

 

Ab dem 1. April 1811 wurde mit dem Abriss der auf dem Gelände des geplanten Wallverlaufs stehenden Gebäude begonnen, was 180 Häuser betraf. Die Grundstücke wurden enteignet und die Eigentümer entschädigt. Am 1. Mai erfolgte der erste Spatenstich durch den zum Festungskommandanten ernannten Oberst Boblik und am 22. Juli die Grundsteinlegung durch König Friedrich August I. von Sachsen.

 

Um genügend Arbeitskräfte zu erhalten, wurden neben der Anwerbung von zivilen Bauarbeitern sechs Infanteriebataillone der sächsischen Armee für den Festungsbau herangezogen. Die Bauern der Umgebung mussten das für die Aufschüttung der Wälle benötigte Erdreich mit ihren Fuhrwerken heranschaffen, was zur Folge hatte, dass sie ihre Felder nicht bewirtschaften konnten. Geplant und koordiniert wurden die einzelnen Arbeiten auf der in Distrikte eingeteilten Großbaustelle durch den Fortifikationsdirektor Major Toepel.

 

Die Vollendung der Festung war ursprünglich im Jahre 1815 geplant gewesen. Als jedoch im Sommer 1812 der Russlandfeldzug Napoleons begann und Sachsen zur Truppengestellung verpflichtet war, wurden die Infanteriebataillone von der Baustelle abgezogen. Nach der Niederlage Napoleons in Russland und dessen Rückzug nach Deutschland musste die Festung nun, da es noch einige unfertige Abschnitte gab, eilig vollendet werden.

 

Rund 200 Geschütze wurden von den 7.000 Mann der Garnison auf den Wällen in Stellung gebracht und die Vorräte an Munition und Verpflegung aufgestockt. Der vom König am 22. Februar 1813 zum Kommandanten ernannte Johann Adolf Freiherr von Thielmann hatte zunächst Befehl, die Festung allen Kriegsparteien gegenüber verschlossen zu halten, da zunächst nicht klar war, auf welcher Seite das Königreich Sachsen zukünftig stehen würde.

 

Nachdem Napoleon am 2. Mai 1813 bei Großgörschen über Preußen gesiegt hatte, war der sächsische König jedoch gezwungen, die Festung Torgau an die Franzosen zu übergeben. Am 11. Mai 1813 marschierten französische Truppen unter Marschall Ney in die Festung ein.

 

Nach dem Wiener Kongress von 1815 war Sachsen schließlich gezwungen, das Gebiet um Torgau an Preußen abzutreten, womit die Festung Torgau für das Königreich Sachsen endgültig verloren ging.

 

Im Jahre 1889 wurde beschlossen, die Stadt zu entfestigen. 1893 wurde der Großteil des Festungsgeländes durch die Stadt Torgau aufgekauft und es wurde mit dem Rückbau der Anlagen begonnen. Das frei gewordene Gelände wurde zur Errichtung von Wohngebäuden und Villen, zur Anlage von öffentlichen Plätzen sowie zum Bau von Ringstraßen und einer modernen Kanalisation genutzt.

 

Ein Teil des ehemaligen Festungsgeländes wurde auch vom Militär zum Bau von neuen Kasernen für die in Torgau verbliebenen Verbände verwendet, beispielsweise für die „1. Abteilung des 1. Thüringischen Feldartillerie-Regimentes Nr. 19“, welches später zum „Torgauer Feldartillerie-Regiment Nr. 74“ werden sollte.

 

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 Teile des Brückenkopfes auf der anderen Elbseite heute

(Informationen zur Verfügung gestellt durch Herrn Eckhardt Borgmann, Torgau)

 

Schlacht bei Torgau auf den Süptitzer Höhen am 3. November 1760

Am 3. November 1760 fand westlich von Torgau auf den Süptitzer Höhen eine Schlacht zwischen Preußen und Österreichern im Rahmen des Siebenjährigen Krieges statt. Der preußische König Friedrich II. wollte das zuvor verlorengegangene Sachsen von Österreich und der Reichsarmee, welche die deutschen Gegner Friedrichs aufgestellt hatten, zurückerobern.

 

Das Ziel der Österreicher unter Feldmarschall Daun war eine Vereinigung mit der Reichsarmee bei Torgau. Dazu hatte er seine Armee, etwa 53.000 Mann, auf den Süptitzer Höhen Aufstellung nehmen lassen.

 

Friedrichs Plan war es, den Gegner zunächst durch ein Korps unter General Zieten von Süden her frontal zu binden, während Friedrich mit dem Großteil der Armee um die linke Flanke der Österreicher herummarschieren und diese dann von Norden und somit von hinten angreifen wollte.

 

Die Gesamtstärke der preußischen Armee betrug knapp 49.000 Mann. Zieten ließ sich jedoch zu früh zu einem Angriff hinreißen, was Friedrich veranlasste, ebenfalls den Kampf aufzunehmen, obwohl seine Kräfte noch nicht vollständig angriffsbereit waren. Diese erste Attacke wurde jedoch durch die starke Artillerie der Österreicher zum Scheitern gebracht. Als alle Kolonnen der Preußen bei Friedrich im Norden eingetroffen waren, wurde ein zweiter Angriff begonnen, der jedoch ebenfalls scheiterte.

 

Erst in der Abenddämmerung gegen 18.00 Uhr gelang es den preußischen Truppen, die Batterie der Österreicher zu erobern und diese gegen die alten Besitzer einzusetzen, was schließlich die Wende der Schlacht brachte. Versuche von Seiten der Österreicher, die Kanonen zurück zu erobern, scheiterten. Gegen 21.00 Uhr war die Schlacht entschieden: Den Preußen war es gelungen, die Höhen zu erstürmen und die Österreicher somit nach Sachsen hinein zurück zu werfen.

 

Die Verluste auf beiden Seiten waren sehr hoch. Die Österreicher verloren etwa 18.000 Mann, die Preußen circa 13.000. Damit war diese Schlacht eine der blutigsten des 18. Jahrhunderts.

 

(Informationen aus der Broschüre des Heimat- und Kulturvereins „Süptitzer Höhen“ e.V. sowie www.wikipedia.de)

 

Die hier dargestellten Beispiele sollten die Geschichtsträchtigkeit des Grenzgebietes zwischen den drei Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen aufzeigen.

 

Leider war es aus Platzgründen hier nur möglich, einen kurzen Überblick über die Geschehnisse der Region zu geben. Wer sich jedoch näher für die Militärgeschichte seit dem 18. Jahrhundert interessiert, dem sei ein Besuch der historischen Stätten zur weiterführenden Information wärmstens empfohlen.